Über »Aghet – Ein Völkermord«

AGHET – Ein Völkermord, der 90-minütige Dokumentarfilm (armenisch: “die Katastrophe”), erzählt von einem der dunkelsten Kapitel des Ersten Weltkriegs: dem Genozid an den Armeniern.
Zwischen 1915 und 1918 wurden bis zu 1,5 Millionen Menschen im Osmanischen Reich (heute Türkei) ermordet. Dieser Völkermord, der sich am 24. April 2012 zum 97. Mal gejährt hat, wurde von Raphael Lemkin, dem Schöpfer der 1948 von der UN verabschiedeten Anti-Genozid-Konvention, als der erste systematisch ausgeführte Völkermord des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Er wird allerdings bis heute von den Verantwortlichen und ihren Nachkommen geleugnet und von der Welt weitgehend verdrängt. Wie konfliktgeladen das Thema des armenischen Völkermords noch immer in der Türkei ist – und für diejenigen, die es kritisch in die Öffentlichkeit tragen, oft sogar lebensgefährlich – zeigen die Ermordung des armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink am 19. Januar 2007 und die Anklagen gegen den Nobelpreisträger Orhan Pamuk.
Seit Jahren beschäftigt sich Autor und Regisseur Eric Friedler (“Das Schweigen der Quandts”, 2007) mit den politischen Motiven, die noch heute stark genug sind, um die historische Tatsache des Armenier-Genozids zu verschweigen und zu unterdrücken. Er sprach mit internationalen Regierungschefs und der intellektuellen Elite der Türkei, befragte Historiker, Zeitzeugen und Wissenschaftler in der Türkei, Deutschland, USA, Frankreich, Syrien und Armenien, aber auch Vertreter der weltweiten armenischen Diaspora wie den Boxer Arthur Abraham, den französischen Minister Patrick Devedjan oder den ehemaligen armenischen Außenminister Rafi Hovannisian. Friedler forschte mit seinem Team in vielen internationalen Archiven (u. a. dem politischen Archiv des Auswärtigen Amtes, dem Johannes-Lepsius-Archiv, den National Archives, USA) und rekonstruierte den Verlauf des Völkermords aus zahlreichen historischen Quellen. Diese Dokumente sind detaillierte Lageberichte deutscher und US-amerikanischer Diplomaten, aber auch Schilderungen schweizer, dänischer und schwedischer Ärzte, Sozialhelfer, Lehrer, Missionare, Korrespondenten und Krankenschwestern, die zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts in der Türkei lebten und ihre Beobachtungen festhielten. In einer minimalistischen Inszenierung verleiht ein hochkarätiges Schauspielerensemble (darunter Hanns Zischler, Martin Gedeck, Burghart Klaußner, Friedrich von Thun) diesen vor langem verstorbenen Zeitzeugen wieder eine Stimme. Fast 100 Jahre nach dem Völkermord sind ihre Aussagen von beklemmender Authentizität noch einmal zu hören, werden bis heute unbesungene Heldinnen und Helden entdeckt, tragische Schicksale und die strikte Systematik eines unfassbaren Verbrechens offenbart.

Trotz genereller Einmütigkeit der internationalen Geschichtswissenschaft weigert sich die politische Führung der Türkei weiterhin konstant, den Massenmord an den Armeniern als Genozid anzuerkennen, fordert Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan immer noch Beweise – und die westliche Staatengemeinschaft hält sich zu diesem Thema bedeckt. Dabei wollen sich auch in der Türkei mehr und mehr Menschen ein eigenes Bild von der jüngeren Geschichte ihrer Nation machen. 200.000 Türken gingen nach der Ermordung von Hrant Dink in einer der größten Demonstrationen des Landes auf die Straße. In Solidarität mit Hrant Dink, den Armeniern und dem Verlangen nach Wahrheit.


Aghet – Ein Völkermord (2009)

Regisseur: Eric Friedler
Fernsehproduktion: NDR, Norddeutscher Rundfunk
Produktionsland: Germany
Produzent: Katharina M. Trebitsch, Silke Schütze
Musik: Michael Klaukien, Andreas Lonardoni
Erstaustrahlung: 2010
Filmlänge: 90min

Darsteller:
Hermann Beyer


Samuel Finzi


Martina Gedeck


Sylvester Groth


Thomas Heinze


Hannah Herzsprung


Ecki Hoffmann


Sandra Hüller


Gottfried John


Burghart Klaußner


Joachim Król


Stefan Kurt


Peter Lohmeyer


Axel Milberg


Ralph Misske


Ulrich Noethen


Andreas Schmidt


Katharina Schüttler


Charlotte Schwab


Thomas Thieme


Friedrich von Thun


Ludwig Trepte


Hanns Zischler
Als:
Bethmann-Hollweg [Reichskanzler des Deutschen Reichs 1909-1917]


Johannes Lepsius [Protestantischer Theologe, Gründer des Deutsch- Armenischen Hilfswerks]


Alma Johansson [Schwedische Krankenschwester an einer Mission in Musch 1913-1919]


Martin Niepage [Lehrer an der deutschen Schule in Aleppo 1915-1917]


Oscar Heizer [US-amerikanischer Konsul in Trapezunt 1915-1917]


Tagouhi Antonian [Überlebende des Völkermordes, geboren 1900 im anatolischen Bitlis]


Ernst Christophel [Leiter eines Heims für blinde und körperbehinderte armenische Waisenkinder in Malatia und Sivas 1916-1919]


Frau Atkinson [US-amerikanische Hilfsschwester in Harput 1902-1917]


General von Kressenstein [Deutscher General der Artillerie, Kommandeur des 1. Türkischen Expeditionskorps 1915]


Jacob Künzler [Schweizer Diakon, Arzthelfer und Katastrophenhelfer in Urfa 1915-1917]


Graf Metternich [Kaiserlich-deutscher Botschafter in Konstantinopel 1915-1916]


Raphael Lemkin [Genozidforscher, Jurist und Schöpfer der Anti-Genozid-Konvention der UN]


Wilhelm Litten [Mitarbeiter am kaiserlich-deutschen Konsulat in Täbris 1914-1915]


Harry Stürmer [Korrespondent der „Kölnischen Zeitung“ in Konstantinopel 1915-1917]


Johann Mordtmann [Kaiserlich-deutscher Generalkonsul in Konstantinopel 1915-1918]


Armin T. Wegner [Deutscher Sanitätsoffizier im Osmanischen Heer 1915-1916]


Samuel McClure [Amerikanischer Verleger und Korrespondent]


Beatrice Rohner [Schweizer Krankenschwester und Flüchtlingshelferin in Aleppo 1915-1917]


Karen Jeppe [Dänische Flüchtlingshelferin und Lehrerin in Urfa und Aleppo 1903-1935]


Walter Rößler [Kaiserlich-deutscher Konsul in Aleppo 1914-1923]


Henry Morgenthau [US-amerikanischer Botschafter in Konstantinopel 1913-1916]


Hambardzoum Sahakian [Überlebender des Genozids, geboren 1898 in Sivas]


Leslie A. Davis [US-amerikanischer Konsul in Harput 1914-17]

One response to “Über »Aghet – Ein Völkermord«

  1. Es gibt einen neuen Historischen Roman, der sich mit dem Völkermord an den Aramäern beschäftigt. Die Aramäer sind nicht verwandt mit den Armeniern, waren aber genauso hart betroffen wie sie. Der Roman ist bei Amazon als E-Book und Taschenbuch erhältlich: Liebe und Völkermord: Historischer Roman

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